Hilfe, mein Kleinkind mag kein Gemüse

“Wie kriege ich das Gemüse ins Kind?” – eine der großen Fragen vieler Eltern. Denn hört man sich im Freundes- und Bekanntenkreis um, scheinen die meisten kleine Gemüsemuffel großzuziehen … außer Tomate, Paprika und vielleicht noch Erbsen, wird das meiste Grün- und Buntzeug gerne verschmäht. 

Dabei ist es doch so gesund! Die Vitamine, die Nährstoffe! Manche Kleinkindeltern könnten verzweifeln. Gäbe es ein Patentrezept, hätten die Erfinder dafür mindestens den Eltern-Nobelpreis eingeheimst. Und sorry, auch ich habe nicht die Lösung für jeden Gemüseeintopf. Aber ein paar Ideen, wie Ihr den Kleinen das Gemüse näher bringen könnt: Hier kommen meine Strategien für alle kleinen (und vielleicht auch großen) Gemüsemuffel. 

Tipps, wenn das Kleinkind kein Gemüse mag

Das Auge isst mit

Ich muss zugeben, bevor ich Mama war, hatte ich für die liebevoll drapierten Apfelsternchen auf Pinterest nur ein müdes Lächeln übrig. Wie so oft, hat mich mein Kind eines besseren belehrt: Die scheinen ihm wirklich besser zu schmecken! Es muss aber gar nicht immer so aufwendig und komplizert sein: Mein Kleiner isst grade alles, das wie eine Pizza geschnitten wird – also in Dreiecke. Egal ob Sellerieschnitzel oder Zucchinipuffer, hauptsache Dreieck. 

Mitbestimmen lassen

Das fängt schon beim Einkaufen an. Fragen wie “Soll ich lieber Karotte oder Kürbis kaufen?” oder  “Willst Du Dir noch ein Obst aussuchen?” tun nicht weh und geben den Kleinen das Gefühl, dass sie dem elterlichen Speiseplan nicht komplett unterworfen sind. Genauso ist es beim Kochen: was man selbst gekocht hat, isst man doch viel eher. Mein Kleiner schneidet schon jetzt wahnsinnig gerne (weiches) Gemüse und wie die großen Köche auch, nascht er während dem Schnibbeln schon ein bisschen mit  – vor allem bei Rote Bete läuft das nach dem Motto “ein Stückchen für die Schüssel, eins für mich …”.

Wiederholen und ein Vorbild sein

Neue Lebensmittel sind Kleinkindern von Natur aus erstmal suspekt. Das ist evolutionär betrachtet ein guter Schutz, denn Unbekanntes könnte giftig sein. Deswegen mögen Kleinkinder oft kein Gemüse. Wenn nun aber dieser Brokkoli wieder und wieder auf dem Tisch auftaucht und die Eltern immer noch leben … dann könnte der ja eventuell genießbar sein?!

Das führt auch gleich zum nächsten Punkt: Warum sollte ein Kleinkind Brokkoli essen, wenn die Eltern ihn nicht anrühren?! Die Geschmacksbildung erfolgt vor allem durch Nachahmung. Auch das ist evolutionär bedingt: Was die anderen essen, ist safe. Aber die Kinder müssen schon sehen, dass wir den Brokkoli essen und überleben! 

Klar erkennbar

Die meisten Kleinkinder mögen keine Unordnung auf dem Teller. Gemüsepfanne oder -mix ist für viele der absolute Super-GAU: Hier schmeckt jede Gabel anders, man weiß nie, was kommt. Also Gemüse lieber separat servieren, dann können sehr gezielt erst alle Erbsen gegessen werden, dann die Karotten und zum Schluss wird vielleicht noch die ungeliebte Pastinake probiert. 

Immer einen safe place anbieten

Denn irgendwas isst das Kind doch mit Sicherheit. Tomate, Karotte, Gurke und Erbsen sind für die meisten Kleinkinder zumindest ok. Wer sie jetzt mit einem Zucchinigemüse zur Pasta überfährt, hat schon verloren: Alle speichern ab “Kind mag kein Gemüse.” 

Selffulfilling prophecy vermeiden

Und das sollte man unbedingt vermeiden: “Das magst Du nicht” – “Das mag er eh nicht” – “Das hat Dir letzte Woche schon nicht geschmeckt” … viele von uns kennen diese Sätze wohl auch aus der eigenen Kindheit. Dabei gilt beim Essen für Kleinkinder jedes Mal: Neues Spiel, neues Glück. In Sachen Geschmacksbildung ist alles im flow, daran müssen sich auch die Eltern gewöhnen. 

Wenn nix mehr hilft: Unterjubeln

Zugegeben, das ist etwas konträr zur Idee weiter oben. Und hier muss man wirklich akribisch vorgehen, aber mit etwas Glück merkt niemand die pürierte Extra-Gemüseladung in der Tomatensauce oder im Bratling. Mein persönlicher Trick 17 ist übrigens selbst gepresster Obst-Gemüse-Saft – in Kombination mit Apfel und Orange geht sogar Pastinake runter.  

Aber bloß kein Stress 

Man kann es gar nicht oft genug sagen: Mit Zwang kriegt Ihr kein Gemüse ins Kind. Deswegen bloß keinen Stress machen, das wirkt nur kontraproduktiv. Euer Kind speichert vor allem ab: Gemüse ist Stress – und mag es noch viel weniger. Und das wäre doch schade. 

Wichtig ist stattdessen eine entspannte Atmosphäre am Tisch. Kein Kind mag jedes Gemüse, aber wir dürfen den Kleinen ruhig die Chance geben, selbst zu bestimmen und zu probieren. Mit ganz viel Geduld wird der eine oder andere Gemüsemuffel vielleicht irgendwann zum Veggielover.