Unsere ersten zwei Jahre ohne Zucker

Da schaut man in den Kalender und auf einmal ist August! Schlagartig wird mir klar: Das Kind hat in zwei Wochen Geburtstag! Damit gerät eine Gedankenlawine ins Rollen: Was schenken wir ihm? Wie wollen wir feiern? Feiern wir überhaupt? Was bekommt er für einen Kuchen? So wie letztes Jahr einen zuckerfreien? 

Wir haben uns eigentlich nie so bewusst dafür entschieden, dass unser Kind keinen Zucker – und damit meine ich Industriezucker – bekommen soll. Es hat sich eher so ergeben. Dier ersten 10 Monate habe ich voll gestillt – damit hatte sich das Thema eh erledigt. Und danach hat es nochmal ein paar Monate gedauert, bis er wirklich bei uns am Tisch mitgegessen hat. Und vor allem hat es gedauert, bis er gecheckt hat „Die essen was anderes als ich – das will ich auch!“. Und ja, ich gebe es zu: Wir waren solche Eltern, die ihrem Kind die selbstgemachten Hirsebällchen vorgesetzt und sich selbst gleichzeitig genüsslich einen Döner einverleibt haben. Das geht jetzt natürlich nicht mehr. Leider…

Kein Zucker für’s Kind

Denn Fakt ist, wenn ich nicht möchte, dass mein Kind so viel Zucker isst, kann ich selber auch nicht mehr so viel Zucker essen. Ich habe also begonnen Etiketten zu lesen und Lebensmittel danach einzukaufen, ob sie auch für den Kleinen geeignet sind. Und ganz ehrlich: Mir ist dadurch erst so richtig klar geworden, wie viel Quatsch ich eigentlich esse. Aus der unbewussten Entscheidung ist so eine bewusste geworden und wir haben im letzten Jahr unseren Zuckerkonsum als Familie ganz schön reduziert. Und mit reduziert meine ich: Es gibt Ausnahmen. Auch fürs Kind.

Er liebt die selbstgemachte Marillenmarmelade von der Oma – und natürlich darf er die essen. Aber halt nur am Wochenende. Und natürlich darf er auch meinen Kuchen probieren oder von meinem Eis schlecken, wenn wir baden sind. Aber: Er bekommt kein eigenes. Damit fahren wir eigentlich ganz gut. Mal schauen wie lange noch. Ansonsten kochen oder backen wir einfach ohne Zucker. Der Kleine hat sich noch nie beschwert, dass ihm der Grießbrei nicht schmeckt oder das Apfelkompott zu sauer ist. Er kennt es ja auch nicht anders. Und wenn es nach mir geht, kann das noch lange so bleiben. 

Unterwegs wird’s schwierig

Aber es geht nicht nur nach mir. Zuhause ist das alles kein Problem, aber sobald wir unterwegs sind, wird es schwieriger. Thema Großeltern: Ich bin wirklich gesegnet mit Omas und Opas, die sich nicht groß einmischen oder die ganze Zeit ungefragt gute Ratschläge geben. Aber beim Thema Essen geraten wir doch häufig aneinander. Dazu muss man wissen, dass ich aus einer Familie komme, in der es bei 30 Grad im Schatten “nur” ein ganz ein leichtes Schnitzel mit Pommes gibt und man sich schon im September Gedanken über das Weihnachtsessen macht.

Zuckerfrei – wie erklär ich das der Oma?

Meiner Mutter zu erklären, dass mein Kind weder Kakao zum Frühstück bekommt noch Limo trinken darf – das war ein hartes Stück Arbeit. Aber es hat geklappt und zwar mit einfachen Verhaltensregeln. Die wichtigste für uns: Kein aktives Anbieten mehr. Wenn das Kind kommt und Wasser trinken möchte, dann bekommt es Wasser. Man muss nicht erst fragen, ob es lieber Limo haben möchte. Genauso mit Eis oder Kuchen.

Ich habe gemerkt: Das eigentliche Problem ist meist, dass die Erwachsenen sich nicht einschränken wollen. Meine Eltern sind es gewohnt, dass es Sonntagnachmittag einen Kuchen gibt und darauf wollen sie nicht verzichten. Da ist es natürlich einfacher, die Kinder mitessen zu lassen. Unser Ausweg: es gibt Alternativen, zum Beispiel einen Obstteller. Funktioniert nicht immer, aber immer mal wieder. 

Der Kuchen zum Geburtstag wird deshalb wieder zuckerfrei sein – der für die Erwachsenen auch. Denen sag ich’s nur nicht 😉

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